Alte Krone

Einblick in die Ausstellung / Kindervernissage

Zur Ausstellung von Andrea Röthlin in der „alten Krone“ in Sachseln vom 19.10.2008
Gedankenreise zu Andreas Ausstellung

Der Atelierbesuch bei Andrea war für mich eine echte Überraschung. Eine kleine, moderne Kiste mit riesigem Glasfenster und Toilette, sozusagen angedockt an das alte Bauernhaus samt Nebengebäude - mit Blick nur auf ein Stück steile Wiese - ohne Weitsicht. Nur ein bisschen Himmel, mal grau, mal blau. Eine ruhige Nische, ein meditativer Raum, wo ab und zu draussen eine Katze vorbeihuscht oder der Wind sanft über die Gräser streicht. Hier hat Andrea die Ruhe zum Arbeiten. Hier sind ihre neuesten Werke entstanden.

Andrea mag Landschaften, sie bewegt sich gerne in der Natur, sie holt Kraft aus ihr und Inspiration. Oberhalb von 1000 Metern fühlt sie sich besonders wohl, sie liebt die Berge, die Wetter, den Wind, ….auf Reisen hat sie viele innere Bilder gesammelt, Eindrücke von Wüsten, endlosen Himmeln, Unterwasserwelten…

Andrea wurde 1967 geboren und wuchs in Kerns auf. Schon während ihrer Ausbildung zur Kinderkrankenschwester besuchte sie Zeichen- und Malkurse. Sie wusste, dass sie malen wollte. Nach ihrem Lehrabschluss folgten 2 intensive Jahre an der Farbmühle in Luzern. Sie begann in ihrem eigenen Atelier zu arbeiten. Um Geld zu verdienen, war sie teilzeitlich immer auch wieder als Krankenschwester tätig. Bei Martin Wallimann und Andi Rieser konnte sie sich in Volontariaten viel Wissen über Drucktechniken aneignen. Es folgte ein weiteres aufbauendes Studienjahr an der Farbmühle. Andrea lebte dann auch vier Jahre in Amerika.

Sie malte früher vor allem mit Öl auf Leinwand. Dies ist ein sehr langsamer, bedächtiger Prozess. Schicht um Schicht wird die Ölfarbe aufgetragen, welche immer wieder erst trocknen muss. Malen heisst schauen, malen heisst warten, malen heisst fühlen. Häufig streicht sie mit ihren Händen über die gemalten Flächen, muss sie Kontakt aufnehmen zur Farbe, zum Bild. Andrea ist ein taktiler Mensch, sie fühlt und spürt mit den Augen und schaut mit den Händen. Ihr Schaffen wirkt überaus sorgfältig – nicht nur das entstandene Bild ist wichtig, sondern auch das Malen an sich, das Malen als Haltung, als Handlung, als „wertvolles Tun“. So sagt sie von sich, sie sei sowohl Künstlerin wie „Kunst-Hand-Werkerin“.

Die letzten Jahre waren geprägt von persönlichem Umbruch und Suchen nach einem neuen künstlerischen Ausdruck, nach andern Formen und Bildträgern. Ganz zufällig stiess sie dabei auf die gewölbte runde Form. Irgendwann und irgendwo starrte sie gedankenverloren an eine Decke und blieb bei einer gewölbten Deckenlampe hängen. Diese Form faszinierte sie. Sie experimentierte und suchte ein geeignetes Material. Schliesslich entdeckte sie eine spezielle Keramik-Masse, und so konnte sie die flachen Gebilde in einer Negativ-Form aus Silikon giessen. „Es malt sich anders auf einer gewölbten Form“, sagt sie. Planeten sind es, bemalt mit farbiger Tusche, geschliffen, berührt, bemalt, geschliffen, berührt……..und einige von ihnen auch mit kostbarem Blattgold belegt, dem 23-karätigen Doppelgold und dem 12-karätigen Weissgold. Wieder das „wertvolle Tun“, wo „Rund“ und Gold zusammengehören - ausserirdische Schönheiten, fremde Welten…

Der Gang durch die Ausstellung ist für mich wie ein Spaziergang, eine Gedankenreise durch Natur, Welten, Weltall. Wundervoll der Planetenkeller! Kostbar die Planeten, einzeln und auch als Gruppe, als Serie. Wie ein Anemonenteppich (so Andrea) sind sie hier gelandet – sanft, leise und schwerelos. Eine veränderte Dimension, eine Leichtigkeit im Raum, die selbst die dicksten Mauern durchdringt. Ein Gefühl, als würde man selbst zum Planeten. Es ist, als ruhten sie hier nur für eine Weile, um demnächst wieder zu entschweben in die Unendlichkeit - milchstrassengleich - weg durch die groben Mauern hindurch. Die 2 grossen runden Körper sind aus Kunstharz, mit Schwämmchen die Farben aufgetragen, ineinander verwischt und verwebt. Wie Tag- und Nachtsonnen bewachen sie den Raum und geben den Planeten Geleit.

Das Malen auf den gewölbten Bildträgern war für Andrea so etwas wie ein Abstecher, eine spontane Reise in eine andere Welt, die es brauchte, um wieder Bilder malen zu können, um einen neuen Zugang zu finden auf Leinwand und Holztafeln.

Die Gedankenwanderung führt uns weiter in den Raum mit den 3 grossen Ölbildern. Ich nenne ihn den Wüstenkeller. Andrea ist es gelungen, auch in diesen Bildern das Leichte zu bewahren. Es ist, als wollte sie Schicht für Schicht Stimmungen einfangen, Stimmungen der Wüste vielleicht - kraftvoll, intensiv und leicht zugleich.

Wüste:
- Hell-rosa: das Bild der frühen Morgendämmerung
- gelb: ein gleissend-heisser Mittag, flimmernd, dass der Atem stockt
- dunkelrotviolett: ein letztes Licht vor endgültig schwarzer Nacht

Wüste, Wüste.

Und dann im Gang ein leuchtendes Himmel-Wasserbild, hell im Strudel von Ebbe und Flut. Daneben die tiefgrüne Sommerwiese und den strahlend gelblichgrünen Herbst, farbige Erinnerungen an herbstliche Landschaftsbilder wie jenen von Zünd.

Schliesslich gelangen wir ins Wasserzimmer. Hier finden sich grossartige, starke bewegte Bilder, kraftvoll, dynamisch – Holztafeln, mit Tusche, Pinsel und Schwamm bemalt. Andrea wollte neben den behutsam geschaffenen Ölbildern etwas Luftiges, Leichtes machen. Doch je luftiger sie malen wollte, desto intensiver wurde der Ausdruck - von Bild zu Bild, desto mehr tauchte sie in tiefere Schichten, so als wäre etwas in ihr explodiert, so als hätte sie eine gewisse Scheu und Zurückhaltung abgelegt, so als hätte sie mehr Lust zum Abenteuer.

Fasziniert tauchen wir ein in Unterwasserwelten, erleben wir Gewitter an türkisblauen Lagunen, finden wir Licht und Schatten, Nebel, Tiefe, Wind und Wetter, Höhlen, Schwärze, Nacht,….doch auch hier – Schwerelosigkeit bleibt erhalten, erinnert an Tauchgänge, wo keine Geräusche mehr sind - ausser dem Blubbern der eigenen Atmung.

Im Gegensatz zu den Ölbildern, sind diese Bilder in einem Guss entstanden, so als hätte Andrea rasch die Impressionen einfangen müssen, welche uns beim Aufwachen zwischen Traum und Tag erscheinen, Wahrnehmungen eines sinnlichen Zustandes, wo das Gehirn noch der Nacht nachhängt.

Andreas Bilder sprechen die Seele an, wecken Erinnerungen - und Sehnsucht vielleicht - an ganz persönliche Lebenslandschaften und Gedankenreisen.
Lassen Sie sich ein in diese Bilderwelten, spazieren Sie durch Ihre ganz eigenen inneren Landschaften, verweilen und staunen Sie!

 

Herzlichen Dank!!
Pia Bürgi, Sarnen, 17.10.2008
Presseartikel zu dieser Ausstellung:
Ein Spaziergang durch Farbwelten
Auf Laudatio folgt ein Heiratsantrag